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Wie nett darf es sein?

Wenn du zu der netten Sorte Mensch gehörst, dann hast du vielleicht schon folgenden Satz von einem Mitmenschen gehört: "Pass auf, dass man das nicht ausnutzt." 
Dieser Satz ist heute Programm. Ich meine nicht mal die Form Mensch, die gerne viel abgibt und teilt. Sondern wirklich die Personen, die aufgrund einer einfach netten Charaktereigenschaft, der Nettigkeit, angreifbar sind. 

Normalerweise wird Leuten von dieser... Okay Moment. Der Begriff ist falsch gewählt. Man kann sich an dieser Stelle definitiv NICHT darüber streiten, was richtig oder falsch ist. Denn seien wir für einen Moment Mal ehrlich. Wenn eine Person aufrichtig nett ist und es gut mit dir meint, und dich über sie lustig machst, ausnutzt oder spottest. Ist es dann wirklich die nette Person, die sich ändern muss? Obwohl sie dich mag, wie du bist? 

Ich möchte das ganze ein wenig umstrukturieren und umdrehen. Stellen wir uns mal für einen Moment eine Gruppe vor. Eine Truppe von Freunden, nennen wir sie so. Nun stellen wir uns für einen Moment mal vor eine oder einer, was euch lieber ist, ist eine Weile nicht mehr Teil dieser Truppe und meldet sich lange später wieder bei ihnen. Doch die Gruppe hielt es eher für richtig sich über die Person aufzuregen, als mit der Person darüber zu reden, was bei ihr los sei, mal beispielsweise. Es ist recht offensichtlich, worauf ich hinaus möchte. 

Kein einziger Mensch hat das Recht, einen anderen zu entwürdigen, egal aus welchem Grund. Der Einzige, der dazu in der Lage wäre müsste, wenn überhaupt, frei von Schwächen oder eigenem Dreck sein. Und wer kann das von sich behaupten? Wer kann in den Spiegel schauen, vermutlich behaupten und damit lügen, er oder sie sei in diesem Leben frei von Schuld? Ob es Lästerei ist, oder direkter Spott, spielt keine große Rolle. Nehmen wir jetzt für eine Minute aber an. Du befindest dich in einer solchen Position. 

Sagen wir mal ganz bewusst, dir ist so etwas widerfahren. Oder anders. A wurde von B schlecht behandelt, hat aber selbst nicht wirklich etwas bewusst getan. Gut. B kommt auf A jetzt vielleicht sogar zu und entschuldigt sich und  gesteht sich eigene Schwächen ein. Soweit klar? Vielleicht ist B innerlich einfach sehr schwach, meidet Konfrontation oder wollte einfach nur etwas an jemandem auslassen. Was auch immer. Die erste Frage, die ich habe ist. Muss ich das verstehen? 

JA! Macht euch eine Sache bitte klar. Wenn wir nicht die Situation verstehen und unsere Wut, die Trauer, der Hass oder die Vergebung aus bloßem Affekt oder der Natürlichkeit dieser Tat geschieht, wo stehen wir dann? Wenn du beispielsweise einer Person jedes Mal wieder vergibst. Was sagt mir das über dich? Vielleicht liest der Christ und fragt. "Aber halt! Gott und Jesus haben immer vergeben!"
Das ist der Moment, an dem ich allerdings sagen muss. "Ja, das stimmt. Aber es wäre doch gelogen zu sagen, dass Gott oder Jesus nie zornig gewesen sei, oder ? Gott sieht alles, Gott hört alles. Aber diese Vergebung ist bis heute nie eine freie Fahrt dafür gewesen, wieder Mist bauen zu gehen, als sei nichts gewesen." Um es anders auszudrücken. Einfach zu deklarieren, alles sei okay, stellt einige Fragen auf. Zum Einen die Frage, wie wichtig ist, was passiert ist, oder was mir das über Liebe mir oder meinem Wohl gegenüber sagt. Wenn du in einer Freundschaft bist, in der du täglich oder wöchentlich Streit hast. Wie gesund ist es für dich, konstant wieder in diese Routine ganz bewusst rein zu laufen? 

Man verfällt in eine Monotonie. Auch wenn sie für einen okay sein mag, wie okay ist sie reell? Das ist nicht anders als würde ich täglich die gleiche Mahlzeit essen. Man könnte sich sicherlich etwas anderes leisten. Vielleicht, hat man ganz tief im Inneren sogar einen Appetit auf etwas anderes, aber man isst partout nichts anderes. Selbst auf die Gesundheit schlägt das. Deshalb ist das Verständnis die wichtigste Essenz die man mitnehmen kann. Um zu realisieren, was passiert ist, ganz gleich das Leid. Um zu verstehen, wer wem was angetan hat. Erst so werden Emotionen wach und es kann weitergehen. Denn Das ist der entscheidende Punkt. Etwas zu verstehen bedeutet für sich auch nichts anderes als etwas erfassen zu können. Und bitte, kommt mir hier nicht damit, "Ja aber Verständnis haben etc." Selbst das bedeutet nämlich eigentlich nichts anderes als einen Zustand zu akzeptieren. 
Also nochmal zur Situation. B entschuldigt sich. Gut. Man hat es gesehen und verstanden. Aber was fällt nicht alles unter Verständnis. Aber was fällt alles nicht unter den Begriff des Verständnisses. 

Vergebung. Das ist tatsächlich ein sehr schwieriger Moment für mich. Denn ich, persönlich würde niemals sagen, dass man nicht vergeben soll. Aber so einfach ist das nicht immer. Eigentlich ist Vergebung sehr einfach. Man ist einfach nicht mehr böse über die Angelegenheit. Aber ist das so einfach? Tatsächlich kommt es hier nicht nur auf die Tat an, sondern auch hier wieder um einen selbst. Schließlich bedeutet es, jemandem nicht zu vergeben auch, einen Groll gegen ihn oder der Person noch böse zu sein. Es ist also mit Vorsicht geboten, wie man einem Streit begegnet. Stell dir mal wirklich vor, du nimmst jahrelang einen Hass mit dir mit. Kannst du das ertragen? Eine Person aufgrund einer Sache, die vielleicht lange zurück liegt - vielleicht ist diese Person heute sogar ein neuer Mensch - zu verurteilen? Ich kann das nicht. Aber das kann ich euch nur mitgeben, mehr kann ich nicht tun. Kommen wir aber zum nächsten Wort. 

Ein krasseres Wort wäre an dieser Stelle wohl Gnade. Jemandem, der einen gebrochen hat, sogar nur Wohl zu wollen. In einer krassen Geschichte erzählte mal jemand. "Verständnis, Vergebung und Gnade sind Worte, die wir manchmal so leichtfertig nutzen. Aber was wäre, wenn wir diese Worte wirklich nutzen müssten, wo würden wir stehen? Stellt euch, und ich hoffe das wird nie passieren. Ein Verbrecher tötet euer Kind. Ein Mensch, der Gnade hat, würde diesem Mann nicht nur vergeben, sondern sogar in seine Familie aufnehmen. Kaum vorstellbar für uns, oder?" 
Der Mensch schafft es meist gerade so Vertrauen aufzubauen. So schwierig ist es zu sehen, viel Gnade ein Mensch erbringen kann. Aber kommen wir für einen Moment zum letzten Wort. Gerechtigkeit.

Gerechtigkeit ist nach einfacher Manier gesagt: "Wie du mir, so ich dir." Gerechtigkeit bedeutet zu keinem Zeitpunkt etwas nobles oder selbstloses zu tun, sondern dass jemandem etwas nach einem Maß widerfährt. Dieses Maß basiert auf einem Ermessen und einer Handlung die erst in die Gegenhandlung, also dem Gerechtigkeitswunsch, mündet. Einfach gesagt ist etwas gerecht, wenn man glaubt, dass es gerecht ist. Gerechtigkeit ist daher auch nicht Gleichheit, sondern der vermeintliche Versuch einer Angleichung, weil man die Ungleichheit als ungerecht anerkennt. 
In der Geschichte von dem verstorbenem Kind erzählte der Herr nämlich weiter. "Gerechtigkeit wäre, wenn der Täter gefasst und vor Gericht gebracht wird." Ich war in dem Moment sehr froh, dass der Herr sich darauf fokussieren und dem Täter nicht den Tod gewünscht hat. Aber hier fällt wieder ein Aspekt mit rein. 

Normalerweise machen wir uns um all diese Begriffe recht wenig Gedanken auf Anhieb, sondern erleben sie auf eine Weise in unserem Leben. Vielleicht kennst du das, wenn du dich urplötzlich fragst, warum du auf eine Person sauer warst, und dir dann sagst, dass die Angelegenheit gegessen ist. Auch hier steckt eine Form von Vergebung. Ich will eigentlich nur auf ein paar Sachen hinaus. 
Zu aller erst. 

Schützt euch vor Verbitterung. Ich meine damit nicht, dass man sich nun isolieren soll und sich fragen soll, warum und wieso. Aber vor allem muss man akzeptieren können, dass es Menschen geben wird, die einen schwächen, weil sie sind wer sie sind. Selbst heute fällt mir der Gedanke schwer zu sagen, dass diese Form von Bosheit reell ist, aber so ist sie nun mal. Sie bedeutet allerdings nicht, dass man selbst böser werden muss, weil andere böse sind! Wenn dir das Wort zu hart klingt. Dann ändert das an den Fakten wenig. Also wenn du dich selbst dabei er wischt wie du anderen gegenüber böses tust, und das für dich klar geht, oder eben nicht, dann ist die Tat trotzdem nicht weniger Böse gewesen. Aber das bedeutet vor allem. Es ist okay. 
Ich habe hier mal über einen Beitrag geschrieben, bei dem eine Freundin sich wunderte, warum jemand den Kontakt zu ihr abgebrochen hatte, warum sie von Menschen verletzt wurde, obwohl sie niemandem böses wollte und nichts böses tat. Bewahrt euer gutes Herz. Es ist einfach gesagt, und Schmerz sitzt, das ist alles wahr. Aber wem ist damit geholfen die eigene Menschlichkeit aufzugeben weil anderer einen unwürdig behandeln?! 

Am liebsten würde ich gerne damit abschließen mit den Worten. Versteht, vergebt und habt Gnade. Aber das was hier passiert und worüber ich spreche ist nicht einfach durch ein Bündel an Regeln einfach zu lösen. Daher kann ich euch nur bitten, euer bestes zu geben, Bewahrt euch selbst. Habt Gnade mit Menschen und vergebt ihnen, wenn ihr könnt. Dass man vergibt und Gnade hat bedeutet nicht (!), dass ihr Menschen, die euch verletzt haben, weiterhin dicht in eurem Leben haben müsst. Aber ich möchte euch bei dieser Entscheidung eine letzte Sache mitgeben. 

In den meisten Comics von Marvel und DC, oder sagen wir anders, Heldenfilmen, ist das Bild von Held und Schurke klar. Die Frage nach Gerechtigkeit, den Opfern und der Umgang mit den Schurken. Die Schurken werden meistens nur getötet, weil man als Held keine Wahl hatte und sich schützen musste, oder weil ein Unschuldiger sonst gestorben wäre. Nur wenige Filme handeln von den Schurken. Damit will ich nicht sagen, dass ich mir nun dringend einen Film über den Shocker oder Sandman wünsche. Aber um auf unsere Fälle zurück zu kommen. Hört die Angelegenheit dabei auf, dass man A als ein Opfer identifizieren oder geht es weiter wenn wir uns klar machen, warum B tat, was er tat? Ich behaupte nicht, dass wir jederzeit wissen können werden, warum jemand handelt, wie er handelt. Aber ist es glaubwürdig zu sagen, dass Menschen so eindimensional sind, dass sie nur durch eine Schwäche abgestempelt werden können? Nein, denn der Mensch ist größer als das. Aber seid vorsichtig. Denn der Glaube bedeutet nicht, dass diese Menschen an dir oder mir wachsen werden. Aber das bedeutet auch, dass man Glauben und Hoffnung für jeden Einzelnen haben darf! Und das, weil ihr schon vorher an die Personen glaubtet, solltet ihr niemals wegwerfen. Ein wahrer Held tut das nicht! 

Und das hier ist schließlich der Heldenblog!!! Wir glauben an das Gute in jedem, auch wenn es nicht sichtbar ist, und schwach machen sollte. Das Gute ist stets da!


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